Bachelor Fernstudium: Häufige Fehler

In den industrialisierten Staaten gibt es Fernstudiengänge bereits seit vielen Jahrzehnten. Nennenswerte Unterschiede gibt es zwischen Fernstudium und Fernunterricht. Bei Ersterem sind die schulischen Anforderungen in der Regel höher. Die Angebote unterliegen gesetzlichen Bestimmungen.

Im Jahr 2010 schrieben sich in Deutschland rund 110.000 Studierende in einen Fernstudiengang ein. Ein Großteil von ihnen interessierte sich für Studienangebote mit betriebswirtschaftlichen Vertiefungen. Ebenfalls beliebt sind der Gesundheitsbereich, mathematisch-naturwissenschaftliche Abschlüsse mit dem Schwerpunkt Informatik und Ingenieurswissenschaft sowie sozial- und geisteswissenschaftliche Studiengänge. Der Fernstudiensektor genießt aktuell ein jährliches Wachstum von 7 Prozent CAGR (Compound Annual Groth Rate und gehört damit zu den am stärksten wachsenden Bereichen im deutschen Bildungssektor.

Drei häufige Fehler beim Fernstudium

Fehler lassen sich im täglichen Leben nicht immer vermeiden. Doch gerade beim Studium sollte man auf unnötige Fehltritte verzichten. Wer sich für den falschen Studiengang entscheidet oder gar unnötigerweise studiert, der verschwendet womöglich viele wichtige Jahre seines Lebens.

Fehler 1: Die falsche Motivation

Warum möchte ich eigentlich ein Fernstudium beginnen? Gründe zur Weiterbildung gibt es viele, sei es die persönliche Verwirklichung, ein Motivationsschub durch die Familie oder der versprochene Aufstieg innerhalb des Unternehmens. Eines sollte klar sein: Jedes Studium erfordert eine große Portion Motivation, besonders bei Studiengängen, die mehrere Jahre dauern.

Fernstudium-Trends 2012

Im Auftrag von Fernstudium Direkt wurden zwischen dem 11. Januar und 14. Februar 2012 Studenten an 30 Fernschulen in ganz Deutschland zur Entwicklung im Bereich Fernstudium befragt. In diesem Jahr ist der Studiengang BWL mit 75 Prozent nach wie vor sehr beliebt, gefolgt von Gesundheitswesen (70 Prozent) sowie Informatik und Wirtschaft (jeweils 55 Prozent). Ein Großteil der Studenten ist der Meinung, dass Fernkurse im Gesundheitswesen in diesem Jahr von großer Bedeutung sind. Diese „Vorhersagen“ sind für zukünftige Teilnehmer eines Fernstudiums von großer Bedeutung. Zwar entscheiden sich nicht alle für einen Studiengang nach Beliebtheit, sondern verfolgen in erster Linie eigene Interessen, dennoch sollten sie nicht komplett ignoriert werden. Gerade im Bereich BWL und Gesundheitswesen gibt es viele unterschiedliche Unterkategorien, die Studenten auswählen können. Durch die hohe Nachfrage nach BWL-Studenten steigen somit auch die Chancen, nach dem Studium einen Arbeitsplatz zu finden.

Lesetipp: Trendstudie Fernstudium: Aktuelle Trends und Entwicklungen in Fernstudienprogrammen der Betriebswirtschaftslehre in Deutschland

Motivationshintergrund Arbeitgeber

Motivationshintergrund Arbeitgeber
Die betriebliche Weiterbildung entwickelt sich immer mehr zu einem entscheidenden Schritt im Bereich der Personalentwicklung. Nicht alle Unternehmen können sich innerbetriebliche Weiterbildungen leisten, sie setzen dagegen auf das Engagement des Arbeitnehmers, sich selbstständig weiterzubilden. Laut der Forsa-Umfrage „Nachgefragt bei Deutschlands Personalchefs: Bedeutung und Akzeptanz des Fernlernens als Methode zur berufsbegleitenden Weiterbildung“ ist es für 54 Prozent der befragten Personalentscheider wichtig, dass Bewerber über nebenberufliche Fortbildungen verfügen.

Für Interessenten mag die Motivation, bessere Aufstiegschancen in der Firma zu erhalten, interessant sei, sie ist grundsätzlich nicht verkehrt. Doch genau hier liegt die Gefahr: Die Motivation von außen führt schnell dazu, dass das Studium mehr oder weniger gezwungen, nicht jedoch aus eigener Kraft und eigenem Interesse, absolviert wird. Besonders problematisch ist es, wenn die Weiterbildungsmaßnahme nicht das gewünschte Feedback liefert. Dann fällt es dem Studenten umso schwieriger, seine Weiterbildung erfolgreich abzuschließen.

Motivationshintergrund Partner und Familie

Das familiäre Umfeld ist gerade bei jungen Menschen der häufigste Motivator für ein Fernstudium. Hier ist keinesfalls die motivierende Unterstützung gemeint, sondern falsche Gründe, sich für ein Fernstudium zu entscheiden. Das Problem: Gerade von liebevollen Menschen erwartet man nicht eine negative Beeinflussung. Bis der Studierende seinen Fehler einsieht, ist es möglicherweise bereits zu spät und er befindet sich mitten im Studium. Ein Abbruch ist dann nicht nur kompliziert, sondern auch kostspielig. Schließlich hat er bereits für einen Teil seiner Weiterbildung gezahlt. Der Abschluss des Studiums ist allerdings genauso schwierig, weil die Motivation fehlt.

Motivationshintergrund eigene Person

Der persönliche Wunsch zur Absolvierung eines Fernstudiums ist der mit Abstand erfolgversprechendste Motivationshintergrund. Der Wunsch, sich weiterzubilden, muss von Anfang an da sein und nicht hinterfragt werden. Eine dauerhafte Motivation zum Fernstudieren entsteht immer nur aus dem Lernen selbst. Neugier und Spaß am Lernen sind die Vitamine eines Studenten.

Fehler 2: Fehlender Zeitplan

Zeit ist für einen Studenten rar. Aus diesem Grund muss er sie so gut wie möglich und bis ins kleinste Detail einteilen. Für viele Studenten ist diese Umstellung besonders schwierig. Bis zum Studium haben sie ihr Leben „einfach gelebt“. Nun müssen sie ihr Leben Tag für Tag organisieren. Verspäten sie sich nur für wenige Minuten, dann droht der Zeitplan zu scheitern.

Warum ein Zeitplan wichtig ist

Arbeit, Kinder, Partner, Haushalt und Hobbys nehmen einen Großteil der täglich zur Verfügung stehenden Zeit in Anspruch. Ein Fernstudium ist entgegen vieler Behauptungen nicht nebenbei absolvierbar. Es ist mit Abstrichen im Leben, besonders in der Freizeit, zu rechnen. Selbst die eigene Familie muss darunter leiden. Wer das Lernen aus diversen Gründen immer wieder verschiebt, dessen Arbeitsberg wird immer höher. Dann lässt die Motivation nach, Stress entsteht und die Lust am Fernstudieren verfällt.

Das Fernstudium sollte niemals mit der Zeit in der Schule verwechselt werden. Hier war man in der Regel Vollzeit-Schüler. Man wohnte zu Hause und führte ein relativ unkompliziertes Leben. Die Eltern kümmerten sich um alle nötigen Dinge. Während des Studiums treten Studenten in die „Eltern-Rolle“. Sie übernehmen alle Pflichten, müssen womöglich Arbeiten, Rechnungen zahlen, sich um die eigene Familie kümmern und so weiter. Ein solcher Tagesablauf lässt ohne Planung auf lange Sicht nicht problemlos organisieren.

Mehr Zeit für die wichtigen Dinge im Leben

Zeitmanagement

Ein Zeitplan organisiert nicht nur den gesamten Tagesablauf. Zeitmanagement bedeutet nicht, seine Zeit mit Plänen zu füllen, sondern mit gezielter Planung, Zeit zu sparen. Am Ende des Tages bleibt genügend Zeit, um sich zu entspannen, Hobbys nachzugehen oder Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Diese Phasen sind äußerst wichtig, denn kein Mensch kann einem Dauerstress standhalten, ohne sich regelmäßig zu entspannen.

Organisation ist das A und O

Das Thema Organisation löst bei den meisten Menschen einen kalten Schauer aus. Es ist mühselig, aufwendig und anstrengend, wird aber, wenn richtig ausgeführt, belohnt. Die Organisation beginnt bei einem ordentlichen Arbeitsplatz, logischer Aufbewahrung der Dokumente im Computer und geht bis zur Erstellung eines Zeitplans. Ordnung hilft Studenten, sich auf das Lernen zu konzentrieren. Der Kopf ist frei, Ablenker und Zeitverschwender haben keine Chance.

Fehler 3: Mangelnde Disziplin

Wenn der Wecker klingelt, sollte das für jeden Studenten heißen: Aufstehen und zur Uni fahren. Für andere bedeutet das lediglich: Noch etwas schlafen. Wer mit so viel Elan seinen morgen verschläft, der wird spätestens bei der ersten Prüfung ein böses Erwachen erleben.

Faktor Selbstüberschätzung

Der Auslöser für eine solche Selbstüberschätzung ist unterschiedlich. Einige Menschen sind der Ansicht, immer alles unter Kontrolle zu haben. Andere nehmen die Prüfungen schlichtweg auf die leichte Schulter. Dabei ist das Leben eines Fernstudenten weitaus schwieriger, als das eines „normalen Studenten“. Fernstudenten müssen täglich Entscheidungen treffen und klare Ziele beim Fernstudium setzen.

Psychologisch gesehen liegt es in der Natur des Menschen, sich selbst zu überschätzen. Selbstüberschätzung führt jedoch schnell zu eingeschränkter Lernfähigkeit. Wer sein eigenes Können und Wissen nicht richtig einschätzt, der investiert seine Zeit in falsche Strategien. An dieser Stelle ein Hinweis auf den Life-Hack „Getting Things Done“.

Selbstständiges Lernen

Das selbstständige Lernen ist die Basis jedes Fernstudiums. Das bedeutet: Niemand wird den Studenten an die Hand nehmen und ihn bis zum Abschluss begleiten. Eine selbstständige Arbeitsweise ist die Voraussetzung zum erfolgreichen Abschluss und beginnt bei den Haus- und Abschlussarbeiten und geht hin zu den Prüfungsvorbereitungen. Leider wird häufig angenommen, dass Selbstständigkeit selbstverständlich ist und zu keinen Problemen führt. Das ist so nicht richtig. Fernstudenten mit Lernproblemen sind auch nicht automatisch faul, sie könnten ein Problem mit ihrer Organisation besitzen. Gerade Perfektionisten fällt es häufig schwer, den hohen Anforderungen an Familie, Partner, Arbeit und Fernstudium gerecht zu werden. Beim Fernstudium müssen Studenten Prioritäten setzen.

Weitere Informationen zum Thema Fernstudium gibt es auf http://www.bachelorfernstudium.org/.

Artikelbild: © adel / pixelio.de

Motivationshintergrund Arbeitgeber: © M. Fröhlich / pixelio.de

Zeitmanagement: © Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de



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